Von völliger Ahnungslosigkeit zur  Entdeckung (eines kleinen Teils) der Magie von Cubase - oder von dem Typen, der ohne Plan loslegte, um innerhalb von 5 Monaten einen Hochzeitssong für seine zukünftige Frau zu komponieren.

Das Leben nimmt tatsächlich manchmal unvermutete Wendungen: vor einem Jahr hatte ich noch einen sicher geglaubten Job und nicht einmal im Traum daran gedacht, dass ich diesen einige Monate später verlieren und daraufhin schon kurze Zeit später mit nie zuvor gekannter Energie und Motivation über Wochen und Monate am heimischen PC hocken würde, mit dem festen Vorsatz, einen eigenen Song zu komponieren, als Geschenk für meine Freundin zur anstehenden Heirat.

 

Blog oder kein Blog

 

Als ich Ende September 2014 im Anschluß an meine Freistellung den Entschluss gefasst hatte, mein „Hochzeits-Projekt“ zu starten, hatte ich mir kurzzeitig überlegt, ob ich nicht parallel dazu auch noch einen Blog schreiben sollte.  In erster Linie quasi zur Selbstdisziplinierung, um dadurch einen zusätzlichen Ansporn zu haben, mit meinem  geplanten Projekt nicht nur aus den Startlöchern herauszukommen, sondern um am Ende mein selbstgestecktes Ziel auch tatsächlich zu erreichen.

 

Und außerdem sind Blogs ja offenbar seit einigen Jahren mega angesagt.  Angeblich gab es letztes Jahr weltweit 170 Millionen existierende Blogs. Daraus kann man schließen, dass es vermutlich nur noch sehr wenige Themen gibt, über die nicht gerade irgendjemand einen Blog schreibt. (Und welche schlüpfrigen Themen das sein könnten, will ich gar nicht wissen.)

Wenn sich also heutzutage alle Welt als Blogger versucht, warum also nicht auch ein knapp 50 Jähriger, der in seinem bisherigen Leben allerdings noch nicht einmal einen einzigen Blog gelesen, geschweige denn in einem einzigen sozialen Netzwerk vertreten war.

 

Allerdings schossen mir auch sofort zwei mögliche Worst-Case -Szenarien durch den Kopf.

Wäre es nicht unendlich peinlich, falls ich letztendlich, unter den ja sicherlich abertausenden Augen meiner potentiellen Leserschaft, nach vielen Monaten und hunderten von tiefschürfenden Blogeinträgen dann doch nichts musikalisch Vorzeigbares zustande gebracht hätte und den Blog mit einem deprimierenden, finalen Eintrag  à la „Satz mit X – das war wohl nichts“ hätte beenden müssen?!?

Quasi ein auf ewig im Web im Netz waberndes Fanal meines grandiosen Scheiterns als Eintagsfliege-Komponist. 

Wie meine liebe Oma zu Lebzeiten immer zu sagen pflegte:“ Was dann wohl die LEUTE sagen….“

 

Oder aber: wären meine schriftstellerischen Ergüsse im harten Wettbewerb mit den anderen 170 Millionen anderen Blogs nicht sehr wahrscheinlich in den unendlichen Weiten des Internets ungesehen und ungelesen verhallt, weil sich eh keine Sau für noch irgend so einen Blog interessiert hätte?

Eine mickrige Leserschaft von gerade mal einer Handvoll Interessierter nach einer mehrmonatigen Online-Präsenz meines möglichen Blogs und den damit verbundenen, zahllosen kreativen Stunden mit niedergeschriebenen,  tiefsinnigen Ergüssen, respektive Blogeinträgen…. („Was dann wohl die LEUTE sagen…..“)

 

Zumindest im Hinblick auf die potentielle Leserschaft erschien mir das zweite Szenario nur allzu realistisch.  Darum entschloss ich mich schließlich nach kurzer aber auch reiflicher Überlegung dazu, dass meine kreative Ader (die es schließlich für das Projekt-Gelingen auch erst noch zu entdecken galt) mit der erhofften Erreichung lediglich eines hehren Ziels  bereits voll und ganz ausgelastet sein würde.

 

Träume sind Schäume

 

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich – als ich vor vielen Jahren noch die Schulbank gedrückt habe - 3 Wünsche an meine Zukunft hatte: später einmal ein Hobby zum Beruf zu haben, einmal ein Buch zu schreiben und einmal im Leben einen eigenen Song zu komponieren.

 

Mit mittlerweile 48 Jahren kann man aber wohl behaupten, dass meine Schulzeit nun schon ziemlich lange zurückliegt.  Meine Jahre danach verliefen ausnahmslos in geregelten (und sicherlich nicht schlechten oder beklagenswerten) Bahnen und meine damaligen 3 Wünsche zogen sich im Laufe der Zeit still und leise in die hintersten Gedächtniswinkel zurück.

 

Zumindest der „Einen Song schreiben“ Gedanke poppte dann allerdings vor ein paar Jahren kurzzeitig wieder hoch, und zwar während eines Abends vor der Glotze bei  King of Queens (Stichwort: der Doug & Carrie Song). Frotzeliger Kommentar meiner Freundin daraufhin war, dass ich ein solches Song-Niveau doch wohl auch hinbekommen sollte und daher doch auch einmal ein Lied für sie schreiben könne - und ich mich daraufhin meiner quasi unbenutzten fünfzig Euro ALDI-Gitarre erinnerte, die seit Jahren irgendwo bei uns im Keller vor sich hin vollstaubte.
Tatsächlich beförderte ich diese dann schon am nächsten Tag während eines unerwarteten Ausbruchs grenzenlosen Schaffensdrangs zurück ans Tageslicht. (Rückblickend vermute ich, dass ich in diesem Moment einfach nichts Besseres mit meiner Zeit anzufangen wusste.)

Wie dem auch sei, ich übte ca. 2 Wochen lang tatsächlich fleißig Akkorde und holte mir (ganz Bryan Adams unlike) zwar keine blutigen Finger, aber zumindest einige kernige Schwielen  an den Fingerkuppen.

Unabhängig von der Tatsache, dass sich  

a) meine Motivation dann allerdings ziemlich schnell wieder in Wohlgefallen auflöste (hey, schließlich hatte ich einen 10 Stunden Arbeitstag und war abends entsprechend rechtschaffend kaputt) und   

b) meine Freundin mich in den folgenden Tagen nicht nochmals mit treuem Rehblick liebevoll an den gewünschten Liebeslied Schrieb erinnerte (woraus ich dann auch knallhart schloss, dass sie diesen Fernsehabend bereits wieder vergessen hatte)

wäre es bei mir sicherlich auf ewig bei der noblen Absicht geblieben, wenn nicht mein Leben im Herbst 2014 erstmals aus der bisherigen, zu 100% geregelten Bahn gelaufen wäre, als mir nämlich von meinem Brötchengeber 6 Monate vor meiner geplanten Heirat ohne jegliche Vorwarnung per Briefpost meine Kündigung ins Haus flatterte.

 

In der Spur – oder voll daneben?

 

Angeblich sehen ja die meisten von uns im Hinblick auf potentielle Veränderungen in unserem Leben eher die Risiken als die Chancen und eher die negativen als die positiven Seiten.

Lieber ein bequemes „Weiter so, denn es ist ja eigentlich ganz ok!“ als ein „Versuchen wir etwas Neues, denn das könnte ja richtig super werden!“, aus Schiss, in den eigenen oder den Augen anderer zu scheitern.

 

Erst, wenn sie aus ihrer gewohnten und eingefahrenen Bahn geworfen werden, sind sie  - wenn auch nicht unbedingt bereit – ab diesem Zeitpunkt dann zumindest gezwungen, sich mit neuen Optionen auseinander zu setzen.

 

Und dann stehen sie vor der  Wahl, entweder zu versuchen, wieder in die alte Bahn (bzw. den alten Trott) zurück zu kommen, oder tatsächlich zu versuchen, neue Perspektiven und neue Wege in Betracht zu ziehen.

 

Langes, pseudo-psychologisches  Geschwafel, kurzer Sinn: in dieser Hinsicht konnte ich mich locker-flockig zur breiten Masse zählen.

 

Nachdem ich im Anschluß an das Kündigungsschreiben zirka drei Wochen fast durchgehend in sich einander abwechselnden  Gefühlen von Wut, Selbstmitleid und Jetzt-erst-recht-Trotz gebadet hatte - in dieser Reihenfolge -,  hatte ich zwar immer noch keine Ahnung, was ich zukünftig eigentlich konkret (und vor allen Dingen realistisch betrachtet) wollte. Ich wusste aber zumindest, was ich eigentlich nicht mehr wollte.

 

Und auf einmal waren meine damaligen 3 Wünsche wieder allgegenwärtig.

 

Selbstfindung

 

Ohne Berücksichtigung weiterer Umstände bzw.  möglicher finanzieller, nervlicher und perspektivischer Auswirkungen einer Kündigung  ist eine im Zusammenhang mit einer solchen einhergehende Freistellung vom Job für sich genommen eine super Sache: man wird bis auf weiteres weiter bezahlt, braucht aber nicht mehr jeden Morgen beim  (Noch-) Brötchengeber auf der Matte zu stehen.

Mir war allerdings klar, dass es für meinen Gemütszustand sicherlich nicht sonderlich förderlich sein würde, jetzt wochenlang einfach nur rum zu hängen und in den Tag hinein zu leben. Außerdem wusste ich, dass ich „diese Sache“ mental schnellstmöglich für mich abhaken und aus meinem Kopf heraus bekommen musste.

 

Aber erstmals seit vielen Jahren hatte ich wieder ein klares, in die Zukunft gerichtetes Ziel vor Augen:  es sollte ja wohl möglich sein, zumindest einen der 3 Wünsche zu verwirklichen. Und  da ich ja nun bis auf weiteres auch eine Menge Zeit haben würde, erschein mir von diesen dreien die Möglichkeit ein Lied zu schreiben schlichtweg als die einfachste und damit realistischste.
Schließlich wollte ich ja auch keinen Chartstürmer aus dem Hut zaubern, sondern lediglich etwas zu Papier bringen, mit dessen Ergebnis  ich zufrieden sein konnte und was zusätzlich noch einem anderen Menschen Freude machen würde. (Wo bei ich natürlich von der Prämisse ausging, dass meine Freundin keine knallharten DSDS Bewertungskriterien an den Tag legen würde, sondern bereits von einigen romantisch dahingeträllerten Zeilen  à la I love youhu – uhu uhu schon schwer beeindruckt sein würde.)

Tatsache ist, dass ich auf einmal fest entschlossen war, die Sache durchzuziehen.

 

Nötiges Talent? – wird überbewertet

 

Ich sagte mir, dass meine Voraussetzungen, mein Vorhaben gemäß den eigenen Ansprüchen auch tatsächlich in die Tat umzusetzen, objektiv gesehen eigentlich gar nicht mal so schlecht waren. Immerhin betrachtete ich mich als halbwegs musikalisch: ich singe schließlich beim Autofahren. Zwar nicht schön, aber dafür regelmäßig (und in der Regel auch  nur, wenn ich alleine fahre).
Ein paar low-level englische Textzeilen sollten auch kein Problem darstellen: hinsichtlich grammatikalischer Freiheiten gedachte ich mich auch eher an Bohlen & Co zu orientieren, der sich zu seinen Hey Days ja auch oft genug in den Irrungen und Wirrungen der englischen Grammatik verfangen hatte. Das würde ich sicherlich auch hinkriegen.

Des Weiteren hatte ich als Jugendlicher zirka zehn Jahre Trompete gespielt. (Die  Tatsache, dass ich dann damit aufgehört hatte, war seinerzeit die größte Enttäuschung, die ich meinem Vater hätte bereiten können. Aber das ist ein anderes Thema.) Entsprechend hatte ich zwar keine Ahnung von Akkorden, aber ich konnte zumindest Noten lesen.

 

Außerdem erinnerte ich mich, dass ich bereits 1982, nachdem mir als damals 15-Jähriger erstmals Da-Da-Da von TRIO aus dem Radio entgegen geplärrt war, dachte, dass so etwas doch wohl jeder Depp komponieren kann.

 

Bezüglich des letztgenannten Punktes habe ich meine Meinung im Laufe meines Projektes allerdings ganz schnell revidieren müssen. Theoretisch kann heute vermutlich tatsächlich jeder dank PC und entsprechender Software einen Song zu Papier bringen, denn von Noten & Akkorden muss man keine Ahnung mehr haben.  Was man aber mitbringen muss, ist entweder ein Haufen (musikalischer) Kreativität oder echter Arbeitswillen.
Ich persönlich glaube, dass das  Gros der in den Charts vertretenen Songs heutzutage  nicht in erster Linie  das Resultat aus Kreativität und Muse sind, sondern vielmehr das Ergebnis „richtiger“ Arbeit. (Wobei der Begriff Arbeit aber auch wieder relativ zu sehen ist, denn als quasi Neueinsteiger in die Welt des Musikkomposition fand ich die Einarbeitung  in die ganze Materie in den folgenden Wochen und Monaten unter‘m Strich unglaublich faszinierend und super spannend. )

Außerdem war ich ja auch nicht so weltfremd zu glauben, mit meinen Bordmitteln einen Hit zusammenschustern  zu können. Ich wollte wie gesagt lediglich 3 Minuten Musik zustande bringen, mit der ich selber zufrieden sein und mit der ich meine Freundin happy machen konnte. (Wobei sie mit mir natürlich sowieso schon das große Los gezogen hatte J . Aber sooo viele Ehefrauen mit einem eigenen Lied gibt’s auf der Welt schließlich nicht, oder?!?)

 

Ein Instrument zu spielen und Noten lesen zu können hat meiner bescheidenen Meinung nach nichts mit musikalischer Kreativität zu tun, insofern muss ich leider sagen, dass mir letztere sicherlich nicht aus jeder Körperfaser quillt.

Was ich aber dieses Mal - im Unterschied zu meinem damaligen, aus nobler Absicht entstandenem Kompositionsversuch - hatte, war zum einen viel Zeit und zum anderen der unbedingte Willen, wenn nicht mit Talent, dann aber mit Arbeit einen Song zustande zu bringen.

 

 

Das Equipment

 

Meine Ausrüstung  bestand neben meinem PC aus einem 25 Tasten MIDI Keyboard für knappe 60 Euronen, einem USB Audio Interface, Cubase als Sequenzerprogramm, sowie – nicht zu vergessen – einem Einsteiger-Nierenmikro (Tataaaa: dies kam sogar mit Pop-Schutz, vermutlich um dem angehenden Hobbysänger einen winzig kleinen Hauch von Professionalität zu geben.)

Für diejenigen, die noch weniger Ahnung haben als ich sie anfangs hatte: ersteres  ist vereinfacht gesagt ein Keyboard, dass keine Töne, sondern per Kabel nur Signale an den PC überträgt.

Und das zweite ist ein sogenannter Software-Sequenzer, welcher die Signale empfängt und mittels dem man diese dann in vielerlei Hinsicht bearbeiten und den in der Software enthaltenen Instrumentensounds zuweisen kann – so dass letztendlich dann auch Musik (oder zumindest eine Aneinanderreihung von Tönen) rauskommt.

 

 

Vom Start zum Ziel

 

Eine „beste“ Herangehensweise zur Songkomposition gibt es sicherlich nicht. Zumindest hab ich im Netz keine gefunden. (Ich gebe zu, ich war blauäugig und habe gesucht.)  Das Netz hält aber unzählige Seiten mit Tipps parat, von denen man sich die eine oder andere ruhig mal anschauen sollte. Dümmer wird man davon jedenfalls nicht.

Die Einen fangen sicherlich einfach an, drauflos zu spielen.  Abhängig vom Funktionsumfang bzw. der Komplexität der jeweiligen Sequenzer Software ist dieses sicherlich nach Überwindung der Einstiegshürden mehr oder weniger problemlos möglich. Dies wäre vermutlich auch die beste Vorgehensweise für all diejenigen, die über eine einigermaßen gut ausgeprägte kreative Ader verfügen.

 

Ich bin den völlig entgegengesetzten Weg gegangen und bei der Theorie angefangen. Will sagen, dass ich mich in den folgenden Wochen zuerst durch unzählige To-Do Videos gekämpft und mir Dutzende von Stunden YouTube – und sonstige DVD-Tutorials angesehen habe.

Dabei hatte ich allerdings das ständige Bauchgefühl, dass dies vermutlich die grottenschlechteste aller möglichen Vorgehensweisen war.  Zumindest nach dem Betrachten von diversen „Erste Schritte“ Videos wäre es vermutlich sinnvoller gewesen, einen weitaus größeren Teil der „Lernzeit“ damit zu verbringen, einfach in die Tasten zu hauen. Schließlich erlaubt so eine Software ja auch das – nennen wir es mal – Ein-Finger-Suchsystem auf der Keyboard-Tastatur. Will heißen: Klavier muss man definitiv nicht spielen können.

Im Nachhinein betrachtet glaube ich aber, dass ich meine Art des Herangehens (unbewusst?) deshalb gewählt habe, weil ich im Falle eines erfolglosen Drauflos-Herumprobierens möglicherweise relativ schnell frustriert das Handtuch geworfen hätte.

 

Meine „Arbeits“tage begann regelmäßig gegen 7 Uhr morgens: högschte Disziplin!!!
Und zumindest  während der ersten 2-3 Monate durchlitt ich ein ständigen Wechselbad der Gefühle. Es gab Tage, an denen ich morgens, bis in die (nicht vorhandenen) Haarspitzen voll motiviert aufgestanden bin – ganz nach dem Motto „heute schaffe ich was“  - und dann am Abend immer noch vor dem PC hockte und gefühlt keinen einzigen Schritt weiter war.

An anderen Tagen wusste ich bereits am Morgen, dass ich heute nichts gebacken bekommen würde. Dementsprechend unterirdisch war dann auch meine Laune und ich versuchte mich zur Aufmunterung zumeist am Ausprobieren neuer Kochrezepte, die dann am Abend beim gemeinsamen Abendessen von Yvonne in den allermeisten Fällen auch sehr positiv bewertet worden sind. Wenn ich mich tagsüber also in Anbetracht mangelnden Fortschritts also schon nicht selber auf die Schultern klopfen konnte, bekam ich so zumindest am Abend eine mentale Streicheleinheit für mein angeknackstes Ego. Das war doch schließlich auch was!

Aber es gab eben auch Tage, an denen ich beim Klimpern auf den Keyboard-Tasten plötzlich eine Idee hatte, die dann auch funktionierte und auf der ich dann wieder aufbauen konnte. So ein „Aha“-Erlebnis war immer wieder ein super Motivationsschub und ich hab mich dann immer gefreut wie ein Schneekönig.

 

Mitte Dezember war mir dann zum ersten Mal wirklich klar, dass ich mich für mein erstes Oeuvre auf Basis der mir selbst auferlegten Maßstäbe nicht vor mir selber zu verstecken brauchte, sondern drauf und dran war, am Ende des Weges tatsächlich ein Geschenk zu haben, das meine  Zukünftige nicht am liebsten heimlich, still und leise und am besten noch in der Hochzeitsnacht wieder über Ebay würde verticken wollen.

 

Sogar mit meinen Texten war ich zufrieden. Über dem deutschen hatte ich im wahrsten Sinne monatelang gebrütet, da ich wenigstens bei diesem ein Niveau erreichen wollte, dass zumindest in der Tendenz oberhalb des „Reim dich oder ich schlag dich“-Levels lag.

Ich überlasse es einmal dem Auge des Betrachters bzw. den Ohren des mehr oder weniger geneigten Hörers, ob er nach Anhören des Ergebnisses die unglaublich emotionale Tiefe meiner verbalen Prosa erkennt oder die Zeilen als schmalztriefenden Gehirnfurz oder grenzdebiles Geschwafel abtut. (Wobei ich natürlich an die doch wohl vorhandene Romanik im Herzen eines jeden Zuhörers appelliere!!!)

 

Der englische Text entstand innerhalb von lediglich einem Tag und einer anschließenden halben Nacht. Die zweite Nachthälfte konnte ich dann zwar auch nicht mehr schlafen, allerdings nur deshalb, weil ich in Anbetracht des schnellen Ergebnisses stolz war wie Oskar.

 

Ich kann nicht singen?!? -  alles kein Problem!

 

An die Aufnahme und die anschließende Bearbeitung des Gesangs hab ich mich dann Anfang Januar gemacht. Drei Tage habe ich jeweils ca. 4 Stunden vor mich hin gekräht und ein gefühltes Terabyte Festplattenkapazität vollgesungen. Dabei Tee getrunken wie ein Loch, um meine Stimme, wenn schon nicht samtweich, so aber doch einigermaßen bei Laune zu halten.

 

Mir war von Anfang an recht klar, dass ich nicht besonders singen konnte und das „Stimmbearbeitungs“Tool von Cubase (VariAudio für die Kenner unter euch) hat mir dann auch ein wahrlich erschreckendes Ergebnis widergespiegelt.

 

Wenn ich mich allerdings im Vorfeld zu diesen drei Tagen bereits intensiver mit diesem Tool befasst hätte, hätte ich mir den gesanglichen Arbeitsaufwand in hohem Umfang sparen können. Wer hätte das gedacht: heutzutage muss definitiv keiner mehr singen können, um sich im Playback zumindest halbwegs vernünftig anzuhören.

Es war für mich absolut faszinierend zu erkennen, was man selbst mit einer Stimme wie meiner, die keinen Ton vernünftig halten kann, am Rechner noch herauskitzeln kann: und dies als Newbie an einer Software, deren Qualitätsschwerpunkte sicherlich nicht auf der Stimmbearbeitung liegen.
Ein erfahrener Anwender kann unter Verwendung einer darauf speziell zugeschnittenen Software mit Sicherheit qualitativ noch ein paar Schüppchen drauflegen. Ich frage mich daher ab heute nicht mehr, wie es möglich ist, dass alle Sänger auf CD offenbar auch wirklich singen können.

 

Aber auch, wenn so eine Software dazu beiträgt, dass sich das gesungene Wort nicht grottenschief, sondern gerade anhört:  jeder, der sich gesangstechnisch berufen fühlt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass mit einem Billigmikro und einer Aufnahmeumgebung à la Wohn- oder Arbeitszimmer auch nach einer ultra-professionellen Sound-Nachbearbeitung keine professionelle Soundqualität zu erzielen ist. (Da hilft dann auch kein toller Popschutz :-)

Aus Kacke wird kein Gold: wenn Mist reingeht, kommt auch Mist raus.

 

Als Möchtegern-Komponist auf lediglich 1x-iger Mission hatte ich die Mikrofonqualität aufgrund meines durch die diversen Anschaffungen arg gebeutelten Geldbeutels als ziemlich weit unten auf meiner Prioritätsskala angesiedelt.

 

 

It’s in the Mix

 

Was ich am Ende leider nicht wie erhofft hinbekommen habe, war die Integrierung der Vocals in den Mix, so dass das Ergebnis dann auch wirklich wie eine Einheit klingt.

Ich bin mittlerweile aber davon überzeugt, dass hier ausschließlich Übung den Meister macht. GANZ viel Übung. Entsprechend ist es auch nicht mit der theoretischen Beherrschung der einzelnen Bearbeitungstools getan. (Mittlerweile weiß ich auch mit den davor noch böhmische Dörfer-Begriffen Kompression, Reverb, Delay, Gate etc. pp. etwas anzufangen). Vielmehr macht auch das Zusammen- bzw. Hintereinanderwirken der einzelnen Komponenten den Kohl fett.

 

Und da ich auch recht sicher war, dass sowohl mein Aufnahmeraum  als auch die Qualität meines Mikros einen nicht unbeträchtlichen Teil  zum nicht zufriedenstellenden Gelingen beigetragen hatte, (wie bereits oben erwähnt hatte ich in meinem Arbeitszimmer ins Mikro geplärrt, unter dort gegebenen Raumhallbedingungen, bei denen jedem Audio-Indschönjör die Haare zu Berge gestanden hätten)  bin ich dann für diese beiden Punkte in ein Tonstudio gegangen.

Positiver, zusätzlicher Nebeneffekt dieser Aktion war zudem, dass ich dadurch noch ein paar schicke Posing-Fotos von mir am Schlagzeug (zugegebenermaßen etwas latent dümmlich grinsend) und natürlich in eindrucksvoller Sangespose (mit Riesenkopfhörer und MONSTER-Popschutz) machen konnte.

 

Janosch (der sehr nette Mann an den Reglern) hat dann auch noch meinem Ego geschmeichelt und mir bescheinigt, dass mein Rohmix eigentlich schon ganz gut sei und man damit arbeiten könne.

Insgeheim vermute ich zwar, dass der Grund für diese Aussage war, dass ich ihm nur ein limitiertes Budget in die Hand gedrückt hatte und ein erneuter Mix der Einzelspuren durch ihn dann den Rahmen gesprengt hätte. Aber eine Bestätigung dieser Mutmaßung brauche ich eigentlich gar nicht!

 

Natürlich war ich stolz wie Bolle, als ich dann das fertige Endprodukt in den Fingern hielt. Auf dem Heimweg im Auto habe ich dann die Songs in Endlosschleife auch lautstark mitgegrölt.

 

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich aufgrund der langen Entstehungsphase keinen Song in meinem Leben so oft gehört habe wie meine eigenen. Heißer Tipp daher für alle, bei denen sich also beim ersten Hören die Ohrmuscheln wegklappen: das ist wie Gehirnwäsche - nach spätestens 100x habt auch ihr sie euch schöngehört!

 

Zielgerade

 

Zwei selbst inszenierte Musikvideos waren - quasi als integraler Teil meines Hochzeitsprojekts - natürlich auch geplant.

Bei der Fotoauswahl zum deutschsprachigen Video hat mir meine (klitzekleine) Eitelkeit wahrlich übel mitgespielt.  Fakt ist: meine ehemals blonden Engelslöckchen (wahrlich goldig) waren seit einem radikalen Cut in Anbetracht seinerzeit dramatisch ansteigender Dünnstellen im Haupthaar seit über 20 Jahren Geschichte, mein Sixpack suche ich unter meinem Wohlstandbäuchlein seit zirka 6 Jahren auch vergeblich und auf einigen Fotos erspähte ich bei intensiver Betrachtung auch bereits erste Anzeichen eines entstehenden Überbisses, den ich beklagenswerter Weise vermutlich im Alter entwickeln werde. Daher: INTENSIVSTE Vorauswahl war angesagt.

Meine Freundin sah natürlich auf allen jemals von ihr geschossenen Fotos umwerfend aus, weswegen ich in dieser Hinsicht keinerlei zusätzliche Sortierung vornehmen musste (nur für den Fall, dass sie hier mitliestJ)

 

Zum Ergebnis des englischsprachigen Videos kann ich leider nicht sagen, „Ich war jung und brauchte das Geld“.

Aber ich sage aus dem Brustton der Überzeugung heraus: „Ich bereue nix!“ , denn dankenswerter Weise kann ich oft auch dann noch über mich selber lachen, wenn es sonst kein anderer mehr macht.

Meine Ritsch-Ratsch-Klick Canon PowerShot und ich hatten eine Menge Spaß zusammen, obwohl mir das permanente Hin-und Her Gerenne vor und hinter die Kamera zur Betätigung des Auslösers ziemlich schnell ziemlich stark auf den Sack gegangen ist.

An dieser Stelle möchte ich mich übrigens nochmals ausdrücklich bei allen Hugh Grant Fans für die etwaige Verletzung ihrer Gefühle in Anbetracht der zugegebenermaßen absolut grottenschlechten Interpretation der Premierminister-Tanzeinlage aus Tatsächlich Liebe entschuldigen. Leute, ihr werdet’s überleben.

 

 

…und die Moral von der Geschicht‘…. (oder: das dicke Ende kommt noch)

 

Der Jobverlust und das dadurch ausgelöste mentale Tief sind auf der Jammer- & Elend-Skala des täglichen Lebens objektiv betrachtet sicherlich irgendwo bei knapp über dem Nullpunkt angeordnet.  Gekündigte Arbeitnehmer gibt’s an jeder Straßenecke und vermutlich geht’s vielen auch deutlich dreckiger als es mir gegangen ist.

 

Demzufolge sind meine letzten Monate sicherlich nicht ganz zu vergleichen mit einem herzzerreißendem, filmreifen Rotz & Wasser Drama, in dem irgend eine herzensgute (und gutaussehende) arme Sau, (der aus nicht näher beschriebenen Gründen aus heiterem Himmel und völlig schuldlos plötzlich praktisch alle Problemen dieser Welt am Hacken kleben), ihre Selbstzweifel überwindet, sich ein Ziel setzt, über sich hinauswächst und spätestens 120 Minuten später sich selbst und nebenbei meistens auch noch die Welt gerettet hat.

 

Neben dem stetigen, positiven Zuspruch, der moralischen Unterstützung und der Motivation, die ich in den vergangenen Monaten von Yvonne  bekommen habe,  hat mir die Arbeit an meinem „Hochzeitsprojekt“ (von dem die beiden Musikvideos ein Teil sind) sehr dabei geholfen, den Kopf nicht hängen zu lassen, sondern über Wasser zu halten.

So hab ich zwar nicht die ganze Welt gerettet - hatte ich ja auch nicht vor und würde ich gegebenenfalls auch definitiv anderen überlassen -, aber meine eigene kleine Welt für mich ein ganzes Stück besser machen können. Und das ist ein echt geiles Gefühl!
Außerdem hat mir insbesondere der Song-Teil super viel Spaß gemacht. Wenn mich zukünftig also noch einmal eine musikalische Eingebung packen sollte, bin ich zurück am PC.

 

Meine 3 Wünsche haben sich derweil nicht wieder in den hintersten Gedächtniswinkel zurückgezogen.

 

Einer davon ist abgehakt.

Der zweite ist in Arbeit.

 

Rückschläge? – wird’s höchstwahrscheinlich geben (Shit happens!).

Scheiß-Tage? – mit absoluter Sicherheit.

 

Egal.

Mal sehen, wohin der Weg führt...